Klimaanpassung – ja, bitte – unverständliche Umfrage – nein, danke

Klimaanpassung – ja, bitte – unverständliche Umfrage – nein, danke

Drs. 22-2086
Kleine Anfrage vom 29.08.2025

Sachverhalt:
Mit der Abteilung Klimaschutz im Bezirksamt Wandsbek ist das wichtige Thema der Klimaanpassung und des Klimaschutzes auch auf bezirklicher Ebene verankert. Die meiste Zeit agiert die Abteilung beratend im Hintergrund, nimmt an bezirksübergreifenden Besprechungen teil oder berät im eigenen Hause. Aber die Abteilung hat auch eigene Projekte. So etwa die kürzlich veröffentlichte Umfrage zur Klimaanpassung.
Gut gemeint, ist leider nicht immer gut gemacht. Die Fragen sind leider sehr lang und technokratisch formuliert. Für eine Umfrage, die sich an Bürgerinnen und Bürger richtet, ist das nicht zielführend.
Darüber hinaus dürfte die Auswertbarkeit kritisch hinterfragt werden, da die Fragen häufig so formuliert sind, dass die Frage bereits eine Tendenz für die Antwort gibt. Außerdem werden
Gefühle und Empfindungen in einer oberflächlichen tendenzösen Weise abgefragt. Die Umfrage weist bis auf die Dialogkarte und eine Frage zu Maßnahmen für den Bezirk keine spezifischen Wandsbek-Komponenten auf.
Die Sinnhaftigkeit der Umfrage ist zudem durch die Art der Fragestellung und der Auswahl der Antworten zweifelhaft. Dieser Eindruck wird durch eine Vielzahl an Fragen, die die subjektive Wahrnehmung der Befragten wissen möchte, obwohl es sich dabei um messbare Faktoren handelt, verstärkt. Als Beispiel seien hier die Antwortmöglichkeiten „die Zunahme von Rettungswageneinsätzen“ und „Beeinträchtigung des Warenverkehrs“ genannt. Der Mehrwert daraus ist nicht erkennbar, zumal es sich meistens um Themenfelder dreht, auf die das Bezirksamt keinen Einfluss hat.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Verwaltung:
Das Bezirksamt Wandsbek antwortet wie folgt: 10.09.2025

1. An wen richtet sich die Umfrage?

Bezirksamt Wandsbek:
An alle Bürgerinnen und Bürger; dies bezieht auch Fachexpertinnen und Fachexperten und beispielsweise Naturschutzverbände ein.

2. Was ist das Ziel der Umfrage?

Bezirksamt Wandsbek:
Hauptziel ist es, möglichst viele Menschen niedrigschwellig online zu erreichen. Im Rahmen der Betroffenheitsanalyse können Bürgerinnen und Bürger Ideen und Hinweise zu z.B. besonders betroffenen Orten (Hitze oder Starkregen) geben und Ideen einbringen, aber auch z.B. Rückzugsorte oder Orte, an denen eine Veränderung erfolgen muss, benennen.
Es geht darum, neben der reinen Datenanalyse auch das subjektive Erleben und Empfinden der Bevölkerung abzufragen. Gleichzeitig soll eine Sensibilität für das Thema „Klimaanpassung“ bei den Bürgerinnen und Bürgern geweckt werden.
Aufgrund der Ergebnisse der Umfrage, Workshops mit Fachleuten, öffentlichen Beteiligungen und der Analyse der umfangreichen Datengrundlagen sollen konkrete Maßnahmen
zur Klimaanpassung entwickelt werden.

3. Wie viel hat die Erstellung der Umfrage gekostet bzw. wie viele Personalstunden sind dafür investiert worden?

Bezirksamt Wandsbek:
Dies ist im Einzelnen nicht ausgewiesen. Im Rahmen des Gesamtkonzeptes fallen Kosten in Höhe von 4.950 € für begleitende Öffentlichkeitsarbeit an, welche neben der Umfrage
auch die Vorbereitung, Moderation und Dokumentation einer öffentlichen Veranstaltung sowie einer öffentlichen Abschlussveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger beinhalten.

4. Welche Abteilung/ Dienstleister hat die Umfrage zur Klimaanpassung Wandsbek erstellt?

Bezirksamt Wandsbek:
Der erfahrene Dienstleister „energielenker“ hat die Umfrage zusammen mit dem Klimaanpassungsmanagement Wandsbek erstellt.

5. Wieso wurde sich für diese Art der Fragestellungen entschieden?

Bezirksamt Wandsbek:
Siehe Antwort zu Frage 2.

6. Warum wurde sich entschieden die Umfrage mit einer Begriffserklärung zu starten?

Bezirksamt Wandsbek:
Weil erfahrungsgemäß die Begriffe Klimaschutz und Klimaanpassung oft miteinander verwechselt werden.

7. Warum wurde sich dafür entschieden bei der ersten Frage (Einschätzung der Wichtigkeit) die verschiedenen Bereiche in eine Frage zu packen, anstatt die einzelnen Punkte (Extremwetter, Infrastruktur, Biodiversität und Gesundheit) einzeln abzufragen? Wie kann in dieser Form eine sinnvolle Auswertung erfolgen?

8. Warum wurde sich dafür entschieden bei der dritten Frage direkte und indirekte Betroffenheit als Antwortmöglichkeiten zur Auswahl zu stellen?

9. Warum wurde sich bei Frage 5 (Bereich Gesundheit) dazu entschiedenen Antwortmöglichkeiten zur Auswahl zu stellen, die die Befragten einerseits selbst tatsächlich beurteilen
können (Arbeitsbelastung, eigene Gesundheit oder von Menschen in ihrem Umfeld) und andererseits Faktoren, die Befragte nicht verlässlich einschätzen können (Rettungseinsätze,
Versorgungsengpässe, Personenschäden)?

10. Zu Frage 6: Inwiefern ist es nützlich die subjektive Wahrnehmung der Befragten, z.B. zu Schäden im Waldgebiet, zu kennen, schließlich sollten dem Bezirksamt durch die Förster
eigene fachliche Erkenntnisse vorliegen, die eine größere Aussagekraft besitzen?

11. Welchen Mehrwert hat es die subjektive Wahrnehmung / Beobachtung der Befragten abzufragen, bei Kategorien, die objektiv messbar sind?

12. Warum wurde sich dazu entschieden, dass die Umfrage nur abgeschickt werden kann, wenn man einen Eintrag auf der Dialogkarte vornimmt?

Bezirksamt Wandsbek zu den Fragen 7. bis 12:
Die ersten Fragen dienen als Einstieg. Es wird erst einmal pauschaler und oberflächlicher abgefragt. Grundsätzlich sind die Fragen so konzipiert, dass eine Antwort aus dem direkten
oder auch weiteren Umfeld des Antwortenden möglich ist. Es geht immer um eine persönliche Einschätzung und nicht um wissenschaftliche Daten und Fakten, da auch diese
Wahrnehmungen eine hohe Bedeutung im Rahmen der Analyse haben. Eine hohe Bedeutung beim Klimaanpassungskonzept nimmt die räumliche Zuordnung ein. Eintragungen auf der Karte dienen der räumlichen Verortung von betroffenen Gebieten / Hotspots mit Extremereignissen, für die im weiteren Verlauf Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden sollten.

13. Wann wird die Umfrage ausgewertet?

Bezirksamt Wandsbek:
Die Umfrage wird im Rahmen der Betroffenheitsanalyse des Klimaanpassungskonzepts voraussichtlich im November 2025 ausgewertet.

14. Wo werden die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt?

Bezirksamt Wandsbek:
Die Ergebnisse der Umfrage werden im Klimaanpassungskonzept im Rahmen der Betroffenheitsanalyse vorgestellt.

15. Werden die Ergebnisse im entsprechenden Fachausschuss vorgestellt? Wenn ja, wann ist damit zu rechnen? Wenn nein, warum nicht?

Bezirksamt Wandsbek:
Ja, die Vorstellung soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 im Ausschuss für Klima, Umwelt und Verbraucherschutz erfolgen.

16. Was soll aus der Umfrage folgen?

Bezirksamt Wandsbek:
Siehe Antwort zu Frage 2

17. Inwiefern wurde die Umfrage durch das Bundesumweltministerium gefördert?

Bezirksamt Wandsbek:
Die Umfrage ist Teil der öffentlichen Beteiligung im Rahmen des Klimaanpassungskonzeptes. Jedes Klimaanpassungskonzept in Deutschland wird anteilig vom Bundesministerium
für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Hier finden Sie die Anfrage.