Wegfall des geplanten Glasfaserausbaus: Welche Konsequenzen ergeben sich für die digitale Infrastruktur im Bezirk Wandsbek?
Drs. 22-3760.1
Auskunftsersuchen vom 03.06.2026
Sachverhalt:
Mit großer Sorge hat die CDU-Fraktion Berichte zur Kenntnis genommen, wonach das Telekommunikationsunternehmen Deutsche Glasfaser seine Ausbauprojekte in den Bezirken Bergedorf und Wandsbek nicht weiterverfolgt. Nach Angaben des Unternehmens seien die Projekte unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr eigenwirtschaftlich darstellbar. Betroffen sind offenbar auch Gebiete, in denen bereits Vorvermarktungen stattgefunden und Anwohnerinnen und Anwohner auf einen zeitnahen Ausbau vertraut hatten.
Gerade die Walddörfer und das Alstertal mit ihrer überwiegend durch Einfamilienhausbebauung geprägten städtebaulichen Struktur galten als Gebiete, in denen ein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau eine wichtige Voraussetzung für die weitere Digitalisierung von Wohnen, Arbeiten und Bildung darstellt. Die vergleichsweise geringe Anschlussdichte macht diese Gebiete für privatwirtschaftliche Ausbauvorhaben wirtschaftlich anspruchsvoller. Die aktuelle Entwicklung wirft daher die Frage auf, ob die Versorgungsperspektiven für die Walddörfer, das Alstertal sowie für andere Gebiete mit geringerer Anschlussdichte im Bezirk Wandsbek gefährdet sind.
Die bisherigen Beratungen in der Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gingen regelmäßig von einem fortschreitenden privatwirtschaftlichen Ausbau aus. So betonte der Senat noch im November 2025, Hamburg setze beim Glasfaserausbau auf den marktgetriebenen Ausbau durch Telekommunikationsunternehmen und verwies auf eine hohe Versorgungsquote sowie laufende Ausbauaktivitäten auch in ländlicheren Gebieten von Bergedorf und Wandsbek.
Zugleich hat die Bezirksversammlung Wandsbek bereits in früheren Beratungen den Ausbaufortschritt, bestehende Versorgungslücken und die Beschleunigung von Genehmigungen thematisiert. Allerdings stammen einige der letzten bezirklichen Sachstandsberichte aus den Jahren 2023 beziehungsweise 2025 und berücksichtigen die nun bekannt gewordene Entscheidung der Deutschen Glasfaser daher noch nicht.
Der Glasfaserausbau erfolgt in Hamburg zwar grundsätzlich eigenwirtschaftlich. Dennoch begleiten öffentliche Stellen die Ausbauvorhaben in erheblichem Umfang. Neben der beim Bezirksamt Hamburg-Mitte angesiedelten hamburgweiten Koordinierungsstelle Glasfaserausbau sind insbesondere die Bezirksämter durch die Bearbeitung von Trassenanträgen, die Erteilung von Aufbruchgenehmigungen (Aufgrabescheinen) sowie die Baustellen- und Leitungskoordination in die Umsetzung entsprechender Ausbauvorhaben eingebunden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche personellen und sachlichen Ressourcen bereits für die nun eingestellten Ausbauvorhaben aufgewendet wurden und welche Konsequenzen sich für die Versorgung der Walddörfer sowie anderer bislang unterdurchschnittlich versorgter Gebiete im Bezirk Wandsbek ergeben.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:
Die Behörde für Kultur und Medien antwortet unter Beteiligung der Behörde für Finanzen und Bezirke, dem Bezirksamt Wandsbek und der Koordinierungsstelle Glasfaserausbau (KG) beim Bezirksamt Hamburg-Mitte wie folgt: 13.07.2026
Vorbemerkung:
Die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) nimmt bundesweit eine Spitzenposition beim Ausbau digitaler Infrastrukturen ein. Sowohl bei der 5G-Versorgung (über 99 % der Fläche bei mindestens einem Netzbetreiber) als auch bei der Gigabit-Festnetzversorgung (über 97 % der Haushalte) und der FTTH/B-Glasfaserquote (über 80 % der Haushalte, mindestens „Homes Passed“) zählt Hamburg gemäß Daten des Bundes zu den führenden Bundesländern. Als „Homes Passed“ bezeichnet werden Adresspunkte und Endkunden, an deren Grundstücksgrenzen in unmittelbarer Nähe eine Glasfaserleitung verläuft, ohne dass zwingend bereits ein aktiver Hausanschluss hergestellt wird.
Im Bezirk Wandsbek haben derzeit 71 % der Haushalte einen Zugang zu einem Glasfaseranschluss (mindestens „Homes Passed“), und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (49 %). Knapp 98 % der Wandsbeker Haushalte können mit > 1.000 Mbit/s (inkl. HFC Koaxialkabel) und damit gigabitversorgt werden. Durch die hohe Verfügbarkeit von gigabitfähigen HFCNetzen im Bezirk Wandsbek besteht daher eine vergleichsweise sehr gute Bandbreitenversorgung im Bezirk. HFC-Netze gelten im maßgebenden EU-Rechtsrahmen als sogenannte Netze mit sehr hoher Kapazität (vgl. Artikel 2 der Richtlinie (EU) 2018/1972 i. V. m. BoR (25) 182), bei denen auch zukünftig keine Unterversorgung angenommen werden kann. Damit bestehen in Gebieten mit HFC-Netzen auch keine Möglichkeiten für staatliche Markteingriffe im grundsätzlich privatwirtschaftlich organisiertem Telekommunikationsmarkt.
Eine Auswertung auf Stadtteilebene ist mit den veröffentlichten Daten nicht möglich. Allerdings erlaubt das Gigabitgrundbuch eine kartenbasierte Darstellung der Versorgungsituation in einem 100 m x 100 m-Raster, welche hier eingesehen werden kann:
https://gigabitgrundbuch.bund.de/GIGA/DE/Breitbandatlas/Vollbild/start.html
Am 21. Mai 2026 hat die Deutsche Glasfaser (DG) die zuständige Fachbehörde sowie die Koordinierungsstelle Glasfaserausbau darüber informiert, dass die Glasfaserprojekte im Bezirk Wandsbek (sowie auch in Bergedorf) nicht weiterverfolgt werden. Der genaue Zeitpunkt der privatwirtschaftlichen Entscheidung der Deutschen Glasfaser zum Stopp der Ausbauprojekte ist nicht bekannt. Als Gründe wurden seitens der Deutschen Glasfaser das geringe Interesse der Anwohnenden, im Nachgang identifizierte Risiken für die praktische Umsetzung der Bauprojekte sowie ein grundsätzlicher Kostenanstieg des Netzausbaus angegeben. Laut den Unterlagen der DG sollte im Bezirk Wandsbek ursprünglich ein Glasfaserausbau in den Bereichen Duvenstedt, Ohlstedt, Bergstedt, Volksdorf, Oberalster und Sasel erfolgen, bei dem ca. 30.000 Adressen im Sinne von „Homes Passed“ erschlossen werden sollten.
Zur Erreichung einer flächendeckenden Glasfaserversorgung setzt die FHH vorrangig auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau durch Telekommunikationsunternehmen (TKU) im Wettbewerb. Um gute Rahmenbedingungen für den Ausbau zu schaffen, wird der wettbewerbliche Ausbau seitens der FHH mit gezielten Maßnahmen aktiv unterstützt. Dazu zählen neben der Kooperation mit dem regionalen Telekommunikationsanbieter willy.tel zur weiteren Ausbaustimulierung auch die Etablierung der Koordinierungsstelle Glasfaserausbau beim Bezirksamt Mitte und die stetige Weiterentwicklung digitaler Genehmigungsprozesse für Tiefbaumaßnahmen.
